Tage-Buch von 1812/Zueignung

Aus Baumbach-Archiv
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Dem Wunsche meiner lieben Frau und Kinder entsprechend, benutzte ich die ruhigere Lebensweise, in welche ich mich seit einem Jahr versetzt sah, zur Vornahme der Ausarbeitung der Tagebücher über die Feldzüge von 1812, 13 und 14, wozu es mir in dem großen Zeitraume von beinahe 25 Jahren[GWR 1], der zwischen der Catastrophe von 1812 und dem Beginn meiner Arbeit liegt, durch den vielfältigen Wechsel dem ich unterworfen war, an Zeit, oft auch, wie das so zu gehen pflegt, an Lust gefehlt hatte.

Bei der Erzählung der Ereigniße in dem rußischen Feldzuge, benutzte ich das Tagebuch meines Freundes Wildermuth, indem mein eigenes auf dem Rückzuge verloren gegangen ist. Wildermuthes Notizen ersetzten mir jedoch mein Tagebuch, indem wir den größten Theil des Feldzuges


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und namentlich auf dem Rückzuge beisammen waren, auf welchem ich seiner vielbewährten aufopfernden Freundschaft die Rettung meines Lebens verdanke; auch haben sich mir die Ereigniße dieses denkwürdigen Feldzuges so tief ins Gedächtniß geprägt, daß es nur der leisesten Andeutung bedurfte, um sie mir vollkommen zu vergegenwärtigen. Bei der Beschreibung der Feldzüge von 1813 und 1814 dienten mir die an Ort und Stelle aufgezeichneten Notizen.

Ich glaubte meinen Tagebüchern ein größeres Interesse zu geben, indem ich denselben einen gedrängten Auszug aus der Geschichte dieser wichtigen Epoche hinzufügte, wobei ich die hierüber erschienenen zuverläßigsten Werke benutzt habe. Meine Ausarbeitung hat aber dennoch keine weitere Bestimmung, als innerhalb des Kreises der Familie und von Freunden gelesen zu werden. Für meine Angehörigen wird sie übrigens, ich darf es wohl erwarten, einen bleibenden Werth behalten, weshalb ich meine Tagebücher zunächst meiner lieben Frau und meinen lieben Kindern zueigne und zugleich bestimme, daß sie stets von dem ältesten männlichen Nachkommen meiner


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Familie aufbewahrt werden sollen. Würde es der Wille der Vorsehung seyn, daß meine Linie aussterbe, so sind meine Tagebücher dem Saalbuch der Baumbachischen Familie zu Nentershausen beizufügen.

Ludwigsburg         Ernst von Baumbach
dem 1ten Januar 1838.   Königlich würtembergischer Obersten.



Anmerkungen der RenWiki-Redaktion:

  1. Am 6. Nobember 1837 trafen sich über hundert württembergische «Rußländer» im früheren Stuttgarter «Königsbad» in Anwesenheit von König Wilhelm I., ihres damaligen Feldzugskommandanten (damals noch Kronprinz), zur 25. Jahresfeier, um ihrer Leidenszeit wieder zu gedenken“, schreibt Gerhardt im Jahr 1937. Es ist denkbar, dass diese Gedenkfeier letztlich den Anstoß für von Baumbach gab, auch seine Erinnerungen zu Papier zu bringen, nachdem es schon so viele seiner Leidensgenossen getan hatten.